Hängt die Bildqualität von der Kamera ab?

Das ist eine der am häufigst gestellten Fragen und auch einer der häufigsten Irrtümer. Zumeist wird der Einfluss der Kamera auf die Bildqualität von Anfängern meist überschätzt. Wesentlich größer ist der Einfluss des Objektivs. Das bedeutet auch, man sollte bei der Wahl der Kamera mitbedenken, dass man anschließend auch noch genügend Geld für ein gutes Objektiv hat. Die mit den Kameras verkauften Objektive sind eher von schlechter Qualität. Ein völlig unzweckmäßiges Vorgehen wäre also, sich eine sehr teure Kamera zu kaufen, dann aber nur mit dem beigelegten Objektiv zu fotografieren. Als dann lieber vielleicht eine etwas preisgünstigere Kamera, aber und ein gutes Objektiv kaufen. Grundsätzlich kann man auch einen Gebrauchtkauf in Betracht ziehen, denn diese haben eine lange Haltbarkeit und nutzen sich kaum ab. Was ein gutes Objektiv auszeichnet, werde ich später noch erklären. Aber nun zuerst zur Frage der Wahl der Kamera:

Smartphone oder Kamera mit Wechselobjektiven

Man kann natürlich auch mit dem Smartphone fotografieren. Es hat aber zwei grundsätzliche Nachteile. Der Erste ist, dass man bei Sonnenlicht auf dem spiegelnden Bildschirm fast nichts erkennen kann. Der Zweite ist, dass man dass Objektiv nicht wechseln kann. Im Ergebnis fotografiert man immer mit derselben Standardbrennweite und demselben Bildwinkel. Das wird dann doch relativ schnell langweilig (außer das Smartphone hat zwei Objektive, dann kann man zumindest zwischen diesen beiden wechseln). Die meisten Möglichkeiten hat man mit einer Kamera, bei der man die Objektive wechseln kann. Dann kann man zum Beispiel zwischen Weitwinkel-Objektiven, Porträtobjektiven und Engwinkel-Objektiven (sogenannte Telebrennweiten) und Spezialobjektiven (wie zum Beispiel Fisheye, Tilt- und Shift-Objektive) wechseln. Die bedeutenden Kamerahersteller, haben heute praktisch alle ein umfangreiches Sortiment. Die nächste Frage ist, ob es auch Fremdhersteller Objektive für die Kamera anbieten. Diese sind häufig wesentlich preiswerter und manchmal auch qualitativ besser. Bei den kleinen Herstellern ist man oft auf die teuren Objektive des Kameraherstellers beschränkt. Das sollte man sich vorher überlegen, denn später ist ein Wechsel des Kamerasystemes mit hohen Kosten verbunden. Deswegen würde ich immer zu einem Kamerasystem raten, für welches auch viele Objektive von Fremdherstellern (wie Sigma, Tamron und Tokina) erwerblich sind. Das gilt nicht nur Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon. Auch für das Alpha-Bajonett von Sony gibt es zahlreiche Objektive von Sigma, Tamron und Zeiss. Auf das umfangreichste Angebot kann man immer noch mit digitalen Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon zurückgreifen.

Was beeinflusst die Bildqualität?

Auf jeden Fall nicht die Megapixel einer Kameras. Diese besagt nur etwas über die mögliche Bildgröße aus und wie groß sich ein Bild ausdrucken lässt. Für HD-Bilder im Internet sind bereits 2MP genüg. Eine viel bedeutender Frage ist das Rauschverhalten der Kamera. Jede Kamera produziert ein Grundrauschen, welches bei ISO 100 oder ISO 200 kaum sichbar ist. Hat man allerdings wenig Licht, insbesondere in Innenräumen oder bei Nacht, dann zeigt sich ein verrauschtes Bild. Da sind dann doch deutliche Unterschiede zwischen den Digitalkameras der ersten bzw. der zweiten Generation und den aktuellen Kamerasensoren bzw. Bildverarbeitungssensoren bemerkbar. Rauschte ein Kamera der ersten Generation schon bei ISO 1600 schrecklich, so kann man mit aktuellen Sensoren der dritten, vierten, fünften und sechsten Generation bis ISO 3200, 6400 oder gar ISO 12800 gehen und trotzdem noch ein akzeptables Bild erhalten. Kameravergleiche kann man Fotozeitschriften entnehmen. Kamerasensoren und Bildbearbeitungsprozessoren der gleichen Generation rauschen ähnlich, frühere Generationen rauschen mehr. Trotzdem sind die Unterschiede weniger stark als man vermutet. Persönlich würde ich mindestens einen Kamerasensor der dritten Generation wählen.

Brauche ich einen Vollformatsensor?

Wenn man bei wenig Licht optimale Bildqualität erreichen will, dann lohnt sich die Anschaffung einer Vollformatkamera. Allerdings sollte man auch vorher bedenken, dass die Objektive meistens das doppelte von den Objektiven für MFT-Kameras oder APS-Kameras kostet. Wenn Du nach der Anschaffung der Vollformatkameras nicht mehr das Geld für wenigstens drei gute Objektive hast, dann ziehe auch die MFT-Kameras oder Kameras mit APS-C-Sensor in Betracht. Im Ergebnis erreicht man mit einer guten APS-Kamera (bei Nikon DX-Format genannt) und einem sehr guten Objektiv eine bessere Bildqualität als mit einer Vollformatkamera und einem schlechten Objektiv. Außerdem sind APS-Kameras und MFT-Kameras mit den Objektiven wesentlich leichter als Vollformatobjektive und -kameras. Es empfiehlt sich vor dem Kauf eine solche Kamera mit dem Objektiv mal für einen Tag zu mieten, damit man ausprobieren kann, wie viel man bereit ist mit sich herumzuschleppen.

Spiegellose Systemkameras?

Sony hat schon vor fast zehn Jahren angefangen spiegellose Systemkameras zu bauen. Canon und Nikon haben erst 2018 die ersten spiegellosen Vollformatkameras vorgestellt. Objektive für Canons EF bzw. Nikon F-Bajonett können über einen Adapter angeschlossen werden. Objektive mit den neuen Bajonetten gibt es noch wenig, aber es werden zunehmend mehr. Persönlich ist mir die Objektivauswahl bei Nikon und Sony für spiegellose Kameras noch nicht ausreichend, aber das kann sich noch ändern. Bei Sonys E-Bajonett gibt es schon ein recht ansehnliche Auswahl von Objektiven. Allerdings weise ich darauf hin, dass es für die Bildqualität unerheblich ist, ob ich einen optischen oder einen elektronischen Sucher habe. Möglicherweise wird der Autofokus der spiegellosen Kameras an Schnelligkeit und Präzision die Spiegelreflexkameras überholen, aber das ist wohl nur für Sportfotografen wichtig. Es ist auch eine Geschmackssache ob ich lieber in einen Monitor sehe oder lieber durchs Objektiv gucke. Ich bevorzuge das Letztere.