Was bedeutet Schwarzweiss, Graustufen bzw. Monochrom?

Wenn umgangssprachlich von schwarzweissen Bildern gesprochen wird, so handelt es sich eigentlich um Bilder in Graustufen. In Graustufenbildern sind alle Helligkeitsabstufungen zwischen Schwarz und Weiss enthalten. Wirklich schwarzweisse Bilder enthalten nur schwarze und weisse Pixel. Man kann sie nur grafisch oder per Bildbearbeitung erstellen. Dann gibt es noch einen dritten Begriff: monochrom. Monochrom bedeutet, dass es nur eine Farbe im Bild gibt. Dies Farbe wird in verschiedenen Helligkeitsstufen variiert. Sie entstehen wenn Graustufenbilder getont werden. Auch schon in der analogen Fotografie wurden Graustufenbilder mit einer Tonung versehen (Schwefel, Selen oder Sepia). Die Tonung diente nicht nur dazu den Bildern eine Färbung zu verleihen, sondern auch dazu, den Bildern eine längere Haltbarkeit zu verleihen. Im digitalen Zeitalter wird eine Tonung dazu verwendet, um dem Bild einen besonderen Look zu verleihen.

blau getontes Graustufenbild vom Grand Canyon

Nehmen Sie sich künstlerische Freiheit

Monochrome Bilder sind keine naturgetreuen Abbilder der Wirklichkeit. In technisch oder naturwissenschaftlichen Kreisen, herrscht oft Entsetzen, wenn man die Farben des Originalbildes verändert. Beabsichtigen Sie zum Beispiel ein Bild in der National Geographic Zeitschrift zu veröffentlichen, dann dürfen Sie die aufgenommen Farben nicht verändern. Geht es ihnen aber mehr darum, eine bestimmte Stimmung zu bewirken, dann scheuen Sie sich nicht, die Farben zu verändern. Die Umwandlung in Graustufen ist sowieso eine Veränderung der Realität, also brauchen Sie sich gar nicht mehr um eine naturgetreue Wiedergabe zu bemühen. Im Übrigen sind auch die meisten heute gezeigten Bilder im HDR-Look keine naturgetreue Wiedergabe der tatsächlichen Farben. Wenn sie also nicht für ein naturwissenschaftliches Magazin produzieren, dann lassen ihre Kreativität nicht einschränken, sondern lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Auch der berühmteste Landschaftsfotograf des 20. Jahrhunderts – der Amerikaner Ansel Adams – arbeitete mit optischen Filtern und zahlreichen Tricks bei der Entwicklung seiner monochromen Bildern. Erst gerade durch die dadurch verschärfte Dramatik seiner Bilder von den amerikanischen Nationalparks wurde er weltberühmt.

dark key
Toter Baum im Bryce Canyon

Bildaufnahme schon in Graustufen?

Am Anfang der Fotografie gab es noch gar keine Farbfilme. Also belichtete man auf Schwarzweissfilme. Da allerdings eine ungefilterte Aufnahme ein recht flaues und langweiliges Bilder ergab, setzten Profis schon vor hundert Jahren optischen Filter ein. Optische Filter wie (Rot, Orange- und Gelbfilter) mussten bereits bei der Aufnahme vor das Objektiv geschraubt werdern. Mit Ausnahme der Leica Monochrom Kamera kann man heute mit jeder digitalen Kamera Bilder in Farben aufnehmen. Das hat den Vorteil, dass man keine optischen Filter mehr benötigt, diese kann man nachträglich mit dem Bildbearbeitungsprogramm simulieren. Auch die Umwandlung eines Bildes in Graustufen mit einem Bildbearbeitungsprogramm ist mehr als die bloße Reduzierung der Farbsättigung. Sie ist vielmehr ein höchst komplexer Vorgang, der jedoch entscheidend für künstlerische Qualität des Bildes ist. Ausgangsmaterial ist grundsätzlich ein Farbbild. Sie sollten also das Bild zunächst als Farbbild auf der Speicherkarte speichern (idealerweise im Rohformat). Die Umwandlung erfolgt dann zu Hause am PC bzw. Notebook mit einem Bildbearbeitungsprogramm.

gefallener Baum in Canyonlands Nationalpark

Empfehlenswerte Bildbearbeitungsprogramme für Graustufenbilder

Adobe Photoshop Elements

Photoshop Elements enthält einen einfachen Schwarzweißfilter. Die Mischung aus den drei Farbkanälen Rot, Grün und Blau ist einstellbar. Vom Prinzip ist das alles was man benötigt. Leider funktioniert der Schwarzweißfilter nur in 8 Bit. Bei hohen Kontrasten kann es daher zu Tonwertabrissen kommen. Schade ist auch, dass man nur ein kleines Vorschaubild erhält. Erst nach der Konvertierung bekommt man die Sicht auf das ganze Bild. Wenn das dann nicht wie gewünscht ist, dann muss man es wieder neu probieren. In der Praxis daher wenig brauchbar.

Adobe Photoshop und Adobe Lightroom:

Bei beiden Softwareprodukten erhält man alles, was man sich wünscht. Ein großes Vorschaubild, Bearbeitung in 16 Bit, die Möglichkeit die Mischung in 8 Farbkanälen sowie Kontrast und Klarheit einzustellen, sowie die Bildern dann noch zu tonen. Der einzige grundsätzliche Nachteil ist, dass es beide Produkte nur noch als Abonnement gibt (Updates sind dann exklusive). Nur wegen dem Schwarzweisskonverter würde ich mir es nicht kaufen. Wer allerdings sowieso schon ein Abonnement hat, ist mit den Programmen auch bei der Schwarzweisskonvertierung gut bedient.

NIK HDR Silver Efex:

Es handelt sich um ein etwas in die Jahre gekommenes Programm. Es ist noch sehr an die analoge Fotografie, wo man mit optischen Filtern arbeitete und es auch sehr auf das verwendete Filmmaterial ankam. Ein Raw-Konverter gibt es nicht, man muss also das Bild vorher in eine Tiff- oder Jpeg-Datei umwandeln. Der besondere Reiz liegt in den Presets (Voreinstellungen). Dies sind Vorschläge für Einstellungen, bei denen man auch gleich sehen kann, wie das eigene Bild in diesem Stil aussehen würde. Deshalb arbeiten viele immer noch gerne mit dem Programm. Die Handhabung des Programms ist einfach. Bei der Version 2.0 gibt es schon 48 Presets, bei der Version 3.0 sind noch fünf weitere dazugekommen.

Franzis Black & White Projects

Black & White Projects arbeitet ebenfalls mit Presets. Bei Black & White Projects 5.0 sind es schon 139 Presets, bei Black & White Projects sind es gar 184 Voreinstellungen. Dazu kommen noch 105 bzw. 138 Filter. Es bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Der Anfänger erhält ohne große Einarbeitungszeit über die Presets beeindruckende Vorschläge für Bildbearbeitungen. Wer dann noch tiefer einsteigen möchte, kann selbst die verschiedenen Filter ausprobieren und so seinen ganz individuellen Look erstellen.

Die einzelnen Bearbeitungsschritte am Beispiel von Black & White Projects

Als erstes öffnen Sie die Datei und wandeln das Bild in ein Graustufenbild um. Auf der linken Seite erhalten Sie sofort die Presets, also Vorschläge für bestimmte Bildbearbeitungen. Wenn Ihnen diese gefallen, können Sie eines dieser Vorschlagsbilder übernehmen.

Wenn Sie von der analogen Fotografie kommen, dann finden Sie auf der rechten Seite die Simulationen für die optischen Filter in allen Farben. Oder Sie klicken auf spektrale Empfindlichkeit und können dann alle Farbkanäle, die Mischung und die Umwandlung in Grau-Helligkeitsabstufungen selbst einstellen.

Meine erste Umsetzung mit Rotfilter sieht nun so aus:

Schon nicht schlecht, aber jetzt kommen noch die Feinabstimmungen.

Hier hat man u.a. noch die Möglichkeit das Bild zu tonen. Persönlich gefällt mir vor allem eine blaue Einfärbung. Das Endergebnis sieht nun so aus.